Erwartungen vs. Realität

Nun bin ich schon fast einen Monat unterwegs – Zeit für ein kleines Resümee.

Ich hatte keine genauen Vorstellungen davon, wie es werden wird. Ich hatte ja nichtmal einen Plan. Doch nun sitze ich mit Tränen in den Augen mal wieder im Bus. Nein, es sind keine Freudentränen. Es sind Tränen der Enttäuschung und Verzweiflung und Haltlosigkeit. Ich hatte keine Vorstellungen, aber ich hatte Erwartungen. Ich hatte erwartet, dass es gleich von Beginn an DAS Erlebnis meines Lebens wird, das ich unfassbar schöne Orte entdecke, dass ich herzensgute Menschen kennen lerne, dass ich vor Freude strahlend durch das Land tanze. Aber vor allem hatte ich erwartet, dass es einfach wird.

Aber nun irre ich hier umher und möchte einfach einen Platz finden zum Ankommen. Einen Ort, an dem ich gerne bin, in dem ich die Schönheit und die Magie entdecke. Ein Ort um zu Sein.

Vor vier Wochen Sydney angekommen, fand ich mich plötzlich in einem Partyhostel wieder. Die Leute dort wohnten zum Teil schon mehrere Monate dort und hatten ihren festen Kreis, in den sie auch niemanden aufnehmen wollten. So zog ich dann nach ein paar Tagen in ein anderes Hostel um. Jeder in dem Hostel war offen und freundlich, ich fand Freundinnen und machte einige Zeit das Leben dort mit. Aber ich machte nur mit, es war nicht das, was ich wollte, es war nicht, wie ich mir mein Leben wünsche.

Also beschloss ich Sydney zu verlassen und fand ich einen Job in der Nähe von Brisbane, ich war ganz aus dem Häuschen – eine kleine Farm, wo ich mit Hunden und Pferden arbeiten sollte. Doch Danielle holte mich auf den Boden der Tatsachen zurück, als sie mir von ihren Erfahrungen auf eben dieser Farm erzählte. Mit diesem Wissen konnte ich nun nicht mehr dahin. Aber ich hatte bereits meinen Flug gebucht. Es folgten Tage der Verzweiflung und Unsicherheit – Was will ich? Wohin soll ich gehen? Job in Sydney suchen? Job in Brisbane suchen? Eine Stornierung des Fluges war nicht mehr möglich. Nach einem langen Gespräch mit Ismael entschloss ich mich dafür in Sydney zu bleiben und den Flug verfallen zu lassen – easy. Zurück in meinem Zimmer erzählte ich Sally von meiner Zwickmühle. Sie erinnerte mich daran, mehr zu fühlen, was ich möchte und weniger darüber nachzudenken. Sie war genau der richtige Mensch zur richtigen Zeit. Ich hatte keinen Grund in Sydney zu bleiben. Es war nicht meins und doch war es mitten in meiner Komfortzone, ich war nicht glücklich in Sydney. Also auf nach Brisbane!

Am nächsten Morgen hatte ich dann nach nur zwei Telefonaten einen Job auf einem kleinen Gestüt in der Nähe von Brisbane. Ich tanzte, ich lachte, es war der beste Tag! Endlich fühlte es sich so an, als ob alles gut werden wird. Ich hatte Vertrauen in meinen Weg.

Nun, zwei Wochen später, bin ich aber schon auf dem Weg nach Byron Bay – bloß weg von dem Gestüt. Ich bin enttäuscht und verbittert. Kurz kam der Gedanke auf, warum ich das eigentlich alles mache? Warum habe ich alles aufgegeben, nur um an anderen Ende der Welt unglücklich zu sein? Das konnte ich doch auch sehr gut in Deutschland. Jedoch bin ich mir in einem absolut sicher – dort zu bleiben, nichts zu machen wäre die schlechteste aller Möglichkeiten gewesen. Also frage ich mich, was falsch mit mir ist. Alle anderen scheinen so glücklich zu sein. Alle anderen haben unvergessliche Erlebnisse. Alle anderen prophezeiten mir doch, dass es eine unbeschreibliche, einzigartige Erfahrung das für mich werden wird. Wenn alle anderen freudestrahlend durch Australien tanzen, nur ich unglücklich bin, muss doch etwas falsch sein!?

ES KOTZT MICH AN! Dieses immer und zu jeder Zeit happy-Backpacker-life. Wieso gibt niemand zu, dass es ihm auch mal beschissen geht? Wieso erzählt niemand von seinem Heimweh? Und wieso um alles in der Welt möchte ich da reinpassen? Das nehme ich nun als meine Mission an. Ich möchte erzählen, wie es wirklich ist. Ich möchte dem vorherrschenden, vollkommen idealisierten Bild vom Reisen mehr Realität beimischen. Ich möchte auch von den Schattenseiten erzählen. Ich möchte nichts inszenieren. Ich möchte nicht lügen. Ich möchte einfach so berichten, wie ich es empfinde. Denn ich glaube, dass ist der viel spannendere Teil einer Reise. Wer schöne Traumstrände und unberührte Landschaften sehen möchte, findet diese bei Instagram zu genüge.

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