Lebendigkeit

Es ist alles in Bewegung. Ich bin in Bewegung. Mein Leben ist in Bewegung. Endlich, nach so langer Zeit, freue ich mich beim Aufwachen auf das, was der neue Tag mir wohl bringen wird. Ich begegne allem mit Neugierde. Es gibt keine Routine. Jeder Tag ist anders. Jeder Tag gibt mir die Chance etwas neues zu lernen, noch einen weiteren Schritt aus meiner Komfortzone herauszugehen, zu wachsen und diese Welt zu entdecken.

Und so beschissen es mir auch bereits auf meiner Reise ging, schätze ich auf einmal die kleinen Dinge. Eine Kerze. Es ist ein kleiner Luxus, den ich mir gegönnt habe. Eine eigene Kerze, die ich nun morgen in meinem Rucksack mit mir Reisen wird. Und wenn ich dann ankomme, werde ich sie auspacken und sie wird mir das Gefühl geben, zu Hause zu sein. So mag vielleicht für jemanden eine Kerze ein unnötiger Gegenstand auf Reisen sein, für mich ist sie der wertvollste Gegenstand, den ich besitze.

Die Musik von früher, hört sich anders an. Die Klänge, mit denen ich Fernweh verbunden habe. Diese Melodien, die das Feuer der Wanderlust und Abenteuerlust in mir geschürt haben. Diese Lieder, die in meinen Phantasie-Roadtrips im Radio lief. Diese Musik hört sich nun anders an. Sie hört sich besser an. Ich fülle diese Musik gerade jetzt mit Erinnerungen, mit Gerüchen, mit Menschen, mit Geschichten. Die Zeit des Träumens ist vorbei. Die Zeit des Lebens ist da.

Aber ich höre nicht auf zu träumen, meine Grenzen sind noch lange nicht in Aussicht. Im Moment träume ich von meinem eigenen Auto. Und mit dem Auto träume ich von noch größerer Freiheit, davon die unendlichen Weiten des Outbacks zu erkunden, eine Vorstellung von der, für mich nicht greifbaren, Größe dieses Landes zu bekommen. Ich träume davon, wie ich den roten Staub im Rückspiegel aufwirbeln sehe. Ich träume von dem großen Nichts im Outback. Von der Ruhe, der vollkommenen Stille. Wie ich in alle Himmelsrichtungen eine unwirtliche Landschaft sehe, wie ich sie zuvor noch nie gesehen habe, ja wie ich sie mir nichtmal vorstellen konnte. Danach folgt nur der Horizont. Auf welchem Planeten bin ich? Das kann nicht die Erde sein, die ich kenne. Um mich herum ist nichts. Es ist nichts zu sehen, nichts zu hören. Ich bin ein winzig kleiner Störfaktor in diesem Nichts. Das Nichts macht sich nichts draus. Es ist weiterhin, ganz unbeeindruckt von meiner Existenz, nichts.  

Sally, bei der ich gerade wohne, sagt, dass ich manifestiere. Ich sehe meine Träume immer deutlicher vor meinem inneren Auge, dass ich sogar fühle. Somit werden sie wahr werden, sagt Sally. Ich glaube Sally gerne.

Bevor dieser Traum in Erfüllung gehen kann, muss ich mir allerdings erstmal ein Auto kaufen. Dieses ganze Autothema ist anstrengend und kräftezehrend, es stresst und überfordert mich. Im Internet nach Autos suchen ist an sich ja noch ganz spaßig. Es ist wie Phantasie-Internet-Shopping. Einfach mal alles in den Warenkorb packen, was man schön findet und dabei das Gefühl des Konsumrauschs genießen, dann am Ende aber erschrocken von der Summe, den Laptop ganz schnell schließen. Ernüchterung. Wenn es darum geht die Autos in Natura anzuschauen und Probe zu fahren, verfalle ich in Schockstarre. Ich habe wahnsinnig große Angst davor, das falsche Auto zu kaufen. Was ist, wenn ich meine Ersparnisse in ein Auto investiere und es dann liegen bleibt? Wenn ich mir die Reparatur nicht leisten kann? Wenn es so kaputt ist, dass es höchstens noch für den Schrottplatz reicht? Was ist, wenn ich dann ohne Geld, ohne Auto, ohne Essen auf der Straße stehe? Diese Angst lähmt mich und die Autosuche geht nur sehr träge voran. Das Wiederrum nervt mich! Ich will doch nicht ewig hier in diesem Rattenloch Lismore feststecken! Ich will ein Auto haben und losfahren!

Es ist diese allseits bekannte Zwickmühle, in der man steckt, wenn es darum geht seine Träume zu verwirklichen. Diesen Kampf habe ich schon so oft mit mir ausgefochten und so oft bereits gewonnen und doch entfacht er immer wieder erneut.

Job kündigen? Wohnung kündigen? One-Way-Flugticket kaufen? Einfach alleine reisen? Das waren alles easy gewonnene Kämpfe (im Nachhinein betrachtet). Doch dann zögere ich, wenn es darum geht ein Auto zu kaufen.

Und doch bin ich gespannt, was als nächstes kommen wird. Wie wird es sein, wenn ich ein Auto habe? Wenn ich losfahre? Was wird dann mein nächster Kampf sein? Ich freue mich jetzt schon drauf. Denn das macht es doch spannend. Neue Kämpfe, neue Herausforderungen, neue Abenteuer. Am morgen Aufwachen und nicht wissen, was der Tag für Überraschungen für mich bereithält.

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