Plötzlich, unerwartet und es tut weh

Das Heimweh kommt, wie ein Schlag in die Fresse.

Nicht, dass mir schon jemals jemand in die Fresse geschlagen hätte. Geschweige denn ich jemanden geschlagen hätte. Who cares?! Ich lenke vom Thema ab. Das heutige Thema, meine Damen und Herren, ist Heimweh. Bitte einen Applaus für Heimweh!

Ja. Ich stelle mir grade vor, wie ich als Moderatorin einer Talkshow Heimweh anmoderiere und ihr alle im Publikum wisst jetzt gar nicht so genau, ob ihr jetzt wirklich klatschen sollt. Nein, ich bin nicht betrunken. Ich versuche nur vom Thema abzulenken.

Heimweh also. Ich hatte ja schon nicht mehr damit gerechnet, dass ich dieses ominöse Gefühl überhaupt noch erfahren werde. Tatsächlich hatte ich schon ein schlechtes Gewissen, weil ich kein Heimweh hatte. Keine Spur vom scherzhaftem Vermissen. Doch dann, während wir den Weihnachtsbaum aufstellen, breche ich plötzlich in Tränen aus.

Zuerst kann ich gar nicht zuordnen, was das nun soll. PMS ist noch nicht dran. Und so rührend ist diese von Kindern geschmückte, bunt leuchtende Plastiktanne nun auch nicht.

Heimweh… ich dachte da vermisst man seine Heimat. Ganz logisch gemäß dem Wortursprung. Deutschland, Lippe, mein Zuhause. Aber tatsächlich sind es die Menschen. Es geht einzig und allein um die Menschen. Ich vermisse es die Menschen um mich herum zu kennen. Ich vermisse es von den Menschen gekannt zu werden. Ich vermisse es zu wissen, wie alles abläuft. Ich vermisse Einfachheit. Ich sehne mich nach einer Umarmung von Freunden. Der Ort ist dabei völlig egal. Es geht um die Menschen im Leben.

Diese Erkenntnis ist ein Geschenk. Ein Geschenk, welches ich mir bis hierher hart erarbeitet habe. So sehr Heimweh auch schmerzt, ich bin dankbar für diesen Schmerz. Diese Erfahrung bringt mir meine Menschen näher. Von einer Sekunde auf die nächste steigt deren Wert ins Unermessliche. Plötzlich schätze ich sogar diese Menschen, von denen ich vor wenigen Monaten noch absolut genervt war. Danke, für jeden einzelnen Menschen, der mich ein Stück auf meinem Weg begleitet hat. Danke, dass Du dazu beigetragen hast, dass ich hier bin. Danke, dass ich Dich vermissen darf.

Übrigens reise ich seit genau 100 Tagen alleine umher. Ein Grund zu feiern, oder was meint ihr? Oh happy day! Schmeiß an die melancholische Musik und lass uns gemeinsam im Bett liegen und weinen.

Tag 101 wird uns mit neuen Abenteuern überraschen.

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