Kacke

Schon seit einigen Tagen habe ich das tiefe Bedürfnis einen Blogbeitrag zu schreiben, doch habe ich keine Ahnung worüber. Aber irgendwas drängt mich einfach zu schreiben. Also lege ich einfach mal los. Daher hier die Warnung: Es besteht aus Gründen die Möglichkeit, dass der folgende Text unlogisch, langweilig, chaotisch und einfach langweilig wird. Ich möchte niemandem die Zeit rauben, daher hier bitte einfach aufhören zu lesen.

Die letzte Zeit war echt hart für mich. Meine Vermutung ist, dass ich das niederschreiben muss, damit es besser geht oder damit ich es in erster Linie erstmal verstehen kann. Ich denke, dass mich genau dieser Sachverhalt drängt. Schließlich habe ich mir vor einiger Zeit das Versprechen gegeben, brutal ehrlich und offen über meine Erfahrungen auf der Reise zu berichten. Auch oder vor allem von der (Achtung! Es folgt etwas vermeintlich politisch Inkorrektes!) beschissenen-kack-drecks-fotzen-wichs Kacke.

Trotz diesen Versprechens, fällt es mir allerdings tatsächlich schwer davon zu erzählen. Ich glaube, niemand erzählt gerne davon, wenn es ihm oder ihr schlecht geht. Aber warum? Dann glaub doch jeder von den anderen Menschen, dass sie 24/7 happy sind und fühlt sich vermutlich noch schlechter. Denn dann kommen einem die eigenen Gefühle plötzlich so falsch vor, wo doch alle anderen so glücklich sind. Die letzten Wochen habe ich mich dann dadurch so gefühlt, als ob ich die einzige Person wäre, die Probleme hat. Dass ich doch nicht die einzige sein kann, das kam mir dann nicht in den Sinn. Rationales Denken AUS.

Vor allem traue ich mich nicht mir selbst einzugestehen, dass es eben mal grade nicht so blumig läuft. Ich müsste doch über alle Maße von Dankbarkeit erfüllt sein!? Ich müsste vor Freude Regenbogen pupsen. Aber es ist eben alles einfach beschissene-kack-drecks-fotzen-wichs Scheiße.

Ja, aber was ist denn nun so kacke?! Das ist eine berechtigte Frage. Vor allem, nachdem ich nun bereits zig Zeilen um den heißen Brei herumrede. Ich versuche mal mein bestes, es nun endlich beim Namen zu nennen.

Kacke Nr. 1: Die Kinder! Der Job als Au Pair ist überhaupt nicht meins. Ich habe meine Voltikinder vom ganzen Herzen geliebt. Daher habe ich einfach geschlussfolgert – ich mag Kinder. Auch wenn ich  mir vor Abflug nach Australien und sowie in den ersten Wochen Down Under gesagt habe, dass ich alles machen werde, aber nie, nie niemals als Au Pair arbeiten möchte, hat es sich dann einfach als einfachste Möglichkeit angeboten. So bin ich also hier gelandet. Bereits nach einer Woche habe ich festgestellt, dass es mir keinen Spaß macht. Aber, so schlau ich eben bin, habe ich mir gesagt „Ach, das wird schon noch besser und einfacher und lustiger. Ich muss mich eben erstmal eingewöhnen.“ und habe meiner Gastfamilie sogleich versprochen bis Ende Februar hier zu bleiben, statt nur, wie im Voraus vereinbart, bis Weihnachten. Oh Wunder! Man mag es kaum glauben, ganz unerwartet wurde das Leben als Au Pair für mich nicht besser. Eher im Gegenteil. Jeden Morgen (vor 6:00 Uhr) wache ich bereits entnervt von dem Geschrei der Kinder auf. (Ja, ich weiß, wenn man eigene Kinder hat… bla… sei froh, dass es bereits 6 Uhr ist… ES SIND ABER NICHT MEINE KINDER!1!!11!!!) Zudem sind diese Kinder so ganz und gar nicht liebenswürdig. Sie schreien, sie heulen, sie bekämpfen sich gegenseitig bis aufs Blut und das morgens um 6 Uhr. Und das geht dann den ganzen Tag so. Die einzig Möglichkeit Frieden und Stille herzustellen ist, ihnen das iPad in die Hand zu drücken (Erziehung at it’s best!). Ich habe einfach keinen Bock, das auszubügeln, was die Eltern vermurkst haben. Daher versuche ich es zu ertragen. Aber dieser ständige Lärmpegel von 130 Dezibel raubt mir meine Energie. Jeder Tag ist ein Kampf für mich. Jeder Tag saugt mehr Energie aus. Die Kinder sind Energievampiere. Ich hasse die Kinder nicht. Aber ich mag sie auch nicht. Überhaupt nicht. Und das kann ich den Eltern ja wohl schlecht sagen? Da spiele ich gute Miene. Was bleibt mir anderes übrig?

Kacke Nr. 2: Ich mag meine Haare nicht. Ich vermisse meine Dreads. Ich vermisse lange Haare. Ich habe einfach nicht die Kraft, diese kurzen Haare mit Stolz zu rocken. Versteht mich nicht falsch – ich bereue nicht, dass ich meine Haare rasiert habe. Aber jetzt wünsche ich mir eben wieder lange Haare.

Kacke Nr. 3: Ich nehme kontinuierlich an Gewicht zu. Ja, ich gestehe. Ich unterdrücke meine negativen Gefühle mit Essen. Da ist fett werden eben einfach die Konsequenz.

Kacke Nr. 4: Bereits seit mehr als zwei Wochen bin ich krank. Ich will aber nicht zum Arzt gehen, weil ich es ja erstmal zahlen muss.

Kacke Nr. 5: Money, Money, Money! Mein Leben dreht sich mehr als jemals zuvor ums Geld. Mit Erfolg und Leichtigkeit habe ich so gut wie alles von meinem Ersparnissen in den ersten paar Monaten verprasst – für Nichts und für Scheiße und für ein Auto. Dieser Druck nun Geld ansparen zu müssen, fuckt mich ab. Nun habe ich aber bereits einen Roadtrip geplant und der Sprit zahlt sich nicht vom gepupsten Regenbogen. Ich habe gerade drei (3!) Jobs. Denn ich möchte ja nicht nur, ausreichend Geld haben, um quer durch Australien zu fahren, ich will ja auch noch diese verfickte „Sicherheit“. Es versteht sich von selbst, dass ich natürlich trotz Krankheit arbeiten gehe.

Kacke Nr. 6: Das Konsumverhalten der Australier, treibt mich in den Wahnsinn! Mein kleines Ökotantchenherz ist schon lange gebrochen vor lauter Plastik, Müllbergen, keine Mülltrennung, kein Recycling, 2$ Shirts, Lawinen von Coffee to go Bechern, Auto fahren für die kürzesten Strecken, Lebensmittel im Müll, Konsum, Konsum, Konsum. Der Unterschied zu Deutschland ist enorm. Das war, ist, und wird wohl auch immer mein größter Kulturschock sein. Obacht! Das bedeutet nicht, dass sich das kultivierte Deutschland darauf ausruhen sollte!

Kacke Nr. 7: Mein großer Mangel an Freizeitaktivitäten. Hier ist eben nichts. Und einerseits bin ich da auch froh drum, denn genau das möchte ich ja. Aber dann bin ich eben auch zu geizig (ich muss ja Geld sparen), um mit meinem Auto irgendwohin zu fahren, um etwas zu unternehmen und die Gegend zu erkunden. Die beliebteste Freizeitaktivität in dieser Region ist Bier trinken. Das ist mir auf Dauer zu stumpf.

Kacke Nr. 8: Ich will weiter reisen! Bisher habe ich nur wenig von diesem Land gesehen. Ich bin diesen Ort jetzt bereits über. Ich will wieder weiter ziehen. Es langweilt mich. Vermutlich ist dieses Bedürfnis gepaart mit dem Wunsch aus dieser von Kindern geschaffenen Hölle fliehen zu können.

Kacke Nr. 9: Ich verliere mich. Beim reisen soll man doch angeblich zu sich selbst finden. Aber auch hier tritt bei mir das Gegenteil ein. Wieder ein Grund mehr, der mir Anlass gibt, an mir zu zweifeln. Muss ich mich erst verlieren, um mich dann zu finden? Wobei ich aber gerade die Vermutung habe, dass genau dieser Text hier mich wieder ein Stück näher zu mir bringt.

Kacke Nr. 10: Durch so viel Kacke, steht es leider nicht gut um mein Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Das eine bedingt das andere – ein Teufelskreis.

Mir ging es sogar so beschissen, dass ich vor einigen Tagen geträumt habe, dass ich wieder nach Deutschland fliege. In Deutschland angekommen, habe ich mich aber sofort gefragt, was dieser Scheiß denn soll?! Warum bin ich hier? Ich will wieder weg! Schon allein der Gedanke, dass ich eine Weile in Deutschland bleiben muss, um wieder Geld für ein Flugticket zu habe, war für mich unerträglich. Ich will weg, so schnell wie möglich, egal wo hin. Überall ist besser, als Deutschland.

So ist es trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Kacke richtig und wichtig und gut für mich hier zu sein. Nichts passiert ohne Grund. Vertraue in das Universum, liebe Sabrina. Bisher hat doch immer alles Sinn ergeben. Warum also sollte das gerade hier anders sein?

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