Einfach mal nichts tun

Puh, endlich ist der Tag geschafft. Die Kinder sind im Bett und ich kann zur Ruhe kommen. Aber was mache ich? Ferngesteuert scrolle ich durch Facebook und Instagram, lese meine E-Mails, goggle random Stuff, schaue fern (seitdem wir kein Internet haben, ruht Netflix gezwungenermaßen), lese ein Buch, schreibe, knüpfe Freundschaftsbänder (jep, das tue ich tatsächlich). Irgendwas mache ich auf jeden Fall immer. Und ich glaube, das tun wir doch irgendwie alle, oder? 

Jede noch so kurze Pause wird das Handy gezückt, gecheckt, was Freunde tun, lesen, was in der Welt passiert, aber bloß nicht mit sich selbst beschäftigen. 

Gestern Abend spürte förmlich den Überdruss an Informationen, Beschäftigung und Berieselung. Mein Hirn schrie nach Ruhe. Und so lag ich dann da, in meinem Bett, schaute an die Decke und tat einfach mal nichts. Es tat so unglaublich gut. Aber glaubt ihr, dass ich es lange aushielt? Schon nach wenigen Minuten kam die Unruhe zurück, und mit ihr die innere Stimme, die mich ermahnte, dass ich meine Zeit doch sinnvoll nutzen sollte. Lesen, das wäre doch jetzt eine gute Sache, mich etwas weiter bilden. Nichtstun ist Zeitverschwendung. Das kann ich noch machen, wenn ich tot bin (sagt man ja so, nicht?). 

Einer meiner Vorsätze für dieses Jahr ist, dass ich mir mehr Ruhe und Auszeiten gönne. Ein weiterer, dass ich auf die Signale meines Körpers und meiner Seele höre und mich gut um mich selbst kümmere. Hier ist gut die Ironie der Situation, aber Gleichzeitig auch die Priorität, die ich diesen Dingen gebe, zu erkennen. 

Was passiert, wenn wir mal nichts tun? Und ich meine damit, wirklich nichts, nüschte, nix, nada. Kein Netflix and chill auf der Couch. Einfach nur dasitzen und einfach nur sein; einfach nur mit uns in dem Moment. Dann können wir uns plötzlich spüren, dann spüren wir, wie es uns geht, dann fühlen wir unser Inneres, dann ist da keine Berieselung, die unsere Gefühle übertönt. 

Meiner Meinung nach ist es mehr als wichtig nichts zu tun. Dadurch können wir in Kontakt mit uns selbst kommen. So ist es kein Wunder, dass wir alle auf der Suche nach uns Selbst sind, wo wir doch so gut darin sind, unserer Inneres zum Schweigen zu bringen. Ich auf jeden Fall habe es perfektioniert mich und meine Gefühle mit den unterschiedlichsten Sachen zu unterdrücken und zu betäuben, um nicht in die Verlegenheit zu geraten, mich nicht damit beschäftigen zu müssen. Das könnte ja unbequem werden. Auf jeden Fall unbequemer als eine Tafel Schokolade samt die neuste Staffel der Lieblingsserie zu bingen. Doch tief im Inneren, wissen wir alle, dass uns das nicht wirklich gut tut. Tief im Inneren, haben wir alle etwas, das wahrgenommen werden will. 

Und hiermit verspreche ich mir hoch und heilig – Indianerehrenwort! -, dass ich mir meine Neujahresvorsätze auf Zettelchen schreibe und an Orten platziere, an denen ich sie täglich mehrmals sehe. Ich verspreche, dass ich mir in Erinnerung rufen werde, warum ich mir diese Vorsätze wichtig sind und ich werde mein Bestes tun um mir ohne Schuldgefühl die Ruhe zu nehmen, die ich brauche, um mich nicht selbst zu vergessen und um mit mir in engen Kontakt zu stehen. Dafür sind Freunde da – und ich habe mir selbst ein Freundschaftsband geknüpft. Unter uns Kindern der 90er bedeutet das mehr als ein Eheversprechen. 

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