Lebenszeichen

Es war einfach viel zu viel zum verarbeiten. Ich konnte nicht schreiben, ohne die gesammelten Eindrücke der letzten Monate erstmal in meinem Kopf zu sortieren, kategorisieren und evaluieren. 

Ob ich damit fertig bin? Neeeeeein! Bei weitem nicht! Aber das Durcheinander und die Reizüberflutung lichten sich etwas. Daher fange ich mal an meine Gedanken aufs virtuelle Papier zu bringen. 

Wo fange ich an? Wenn ich chronologisch am letzten Beitrag anknüpfen möchte, wäre ein fortführender Post über den Roadtrip dran. Aber das erscheint mir momentan nicht richtig zu sein. 

Ich bin nun fast ein Jahr unterwegs. Kommenden Samstag vor genau einem Jahr war mein letzter Arbeitstag in langweiliger Bürofestanstellung. Wenn ich jetzt darauf zurückschaue, kann ich gar nicht fassen, welchen Weg ich seither zurück gelegt habe. Physisch als auch psychisch. It was a hell of a ride! 

Australien war nicht immer gut zu mir und ist es bis heute nicht. Ehrlich gesagt freue ich mich, das Land Down Under in wenigen Wochen endlich zu verlassen. Doch noch immer bereue ich keinen einzigen Schritt, den ich seit dem Entschluss mein Leben in Deutschland hinter mir zu lassen, gegangen bin. 

Auch wenn ich in dem vergangenen Jahr wahrscheinlich mehr schlechte als gute Tage hatte, so haben mir all die Erfahrungen verdammt viel gelehrt und ich möchte keinen einzigen Tag missen.

Die Zeit in Australien hat mich dankbarerer werden lassen. Sie hat mich selbstbewusster und selbstliebender gemacht. Sie hat mich gestärkt und wachsen lassen. Sie hat mich offener für fremdes gemacht. Sie hat mich toleranter gemacht. Sie hat mich in meiner Persönlichkeit und vor allem meinen Werten gestärkt. Sie hat mir gezeigt, was wirklich wichtig für mich ist. Ganz banal, habe ich gelernt mir ein Leben in einem fremden Land abseits von allem Bekannten aufzubauen. Sie hat mich gelernt über Sprachbarrieren hinauszuwachsen. Sie hat mich mutiger gemacht. Sie hat mich aber auch vorsichtiger gemacht. Sie hat mich so vieles gelernt, was ich gar nicht in Worte fassen kann. 

Und noch bin ich nicht am Ende. „Man lernt nie aus!“ ist ein überaus abgedroschener Spruch, aber doch ebenso überaus wahr. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mehr, schneller und effektiver aus schlechten Situationen als aus guten lernen. Daher bin ich wirklich froh, dass mein Jahr in Australien von Depression, Heimweh und scheiß Jobs geprägt war. Ich hoffe aber, dass das Universum nun eine kleine Lernpause für mich eingeplant hat und ich auf Bali und Neuseeland so richtig Spaß haben werde. 

Immer wieder habe ich mich gefragt, was das Reisen eigentlich für einen Sinn macht und ob es überhaupt das richtige für mich ist. Da scheinbar alle Backpacker die Zeit ihres Lebens in Australien verbringen und ich mich dahingegen am liebsten die ganze Zeit im Bett verkriechen möchte. Die Tatsache, dass es mich nun so sehr in neue Länder zieht und ich mich auf neue Abenteuer und Erfahrungen freue, zeigt mir, dass Reisen genau das richtige für mich ist. Ich liebe Deutschland (the biggest learning of all times!) und freue mich irgendwann mal die Heimat zu besuchen, doch ist die Welt zu groß und zu schön und das Leben zu kurz, um immer nur an einem Ort zu bleiben. 

„Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben“ sagte schon Kurt Tucholsky. 

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