Gefühlschaos

Ayers Rock at sunset

Ein Jahr ist vergangen seitdem ich Deutschland und mein altes Leben hinter mir gelassen habe. Ein Jahr voller Leben, voll Freude sowie Traurigkeit, und vor allem voller Abenteuern. Die Vernunft und das Klischee verlangen zu diesem denkwürdigen Jubiläum einen Rückblick. 

In den vergangenen Tagen weine ich sehr oft (kann es sein, dass ich in fast jedem Text vom Weinen schreibe?). Es herrscht ein pures Gefühlschaos in mir; aus dem ich nur schwer einzelne Gefühle trennen und benennen kann. Doch fangen wir einfach mal an. 

Da ist Vorfreude auf alles, was kommen wird. Da ist Zuversicht und Hoffnung. Abenteuerlust und Wanderlust. Da ist der feste Glaube, genau auf dem richtigen Weg zu sein (ja liebe Therapeutin, ich weiß, das ist kein Gefühl). Es ist große Dankbarkeit in mir für alles, was ich erlebt habe und für alle Menschen, denen ich auf meinem Weg begegnet bin. 

Die Dankbarkeit vermischt sich dann mit Sentimentalität und Melancholie. Ich blicke zurück und kann gar nicht verstehen, was passiert ist. Ich bin zu einem neuen Menschen geworden. Die Sabrina, die vor einem Jahr in das Flugzeug gestiegen ist, gibt es nicht mehr. 

(Wen erinnert das gerade noch an die Szene aus Harry Potter und der Orden des Phoenix, wo Hermine Ron und Harry erklärt, wie sich Cho fühlt?)

Tatsächlich habe ich vor wenigen Tagen eine Freundin wieder getroffen, bei der ich vor fast einem Jahr gewohnt habe. Sie sagte, dass ich mich wie eine Schlage gehäutet hätte. Ich habe in den 12 Monaten meine Vergangenheit abgestreift und bin nun bereit für neues. 

Einerseits freue ich mich total Australien endlich zu verlassen. Ich habe dieses Land über. Mein Nomadenherz schreit nach einem neuen Land, da reichen auch keine tausende Kilometer durch mehrere Klima- und Zeitzonen, wenn ich mich danach noch im selben Land befinde. Ich brauche eine Pause von den falschen Menschen, der billigen Kultur und der toten Natur in Australien. 

Doch ich bin auch traurig. Australien wird immer ein besonderes Land für mich bleiben, denn hier ist wo alles begann (naja, streng genommen war es Thailand oder doch Österreich?). Auch wenn ich fest entschlossen bin, diesem ersten Jahr noch weitere Jahre des Reisens folgen zu lassen, so ist das erste Jahr ein großer Meilenstein. Es ist der Anfang, aber nun folgt kein Ende. Es wird weiter gehen. 

So sehr Australien mich auch nervt, ist es doch ein zu Hause für mich geworden. Ich kenne mich hier mittlerweile aus. Ich weiß, wie Dinge ablaufen. Ich weiß, wie die Gesellschaft funktioniert und ich kenne die ungeschriebenen Gesetze eben dieser. Somit verlasse ich Australien dann doch mit einem weinenden und einem lachenden Auge. 

Diese Erfahrung zeigt mir, dass ich überall in der Welt ein zu Hause finden kann. 

Ich verlasse nicht einfach nur ein Land, ich lasse ein Stück von mir hier. So ist das mit dem Reisen. In jedem Land lässt zu einen Teil deiner Selbst zurück, doch gewinnst du einen umso größeren Teil.

Vor einem Jahr wusste ich nicht worauf ich mich einlasse. Ich wusste nichtmal, ob mir das Umherreisen gefallen wird. Ich habe mir offen gelassen, wie lange ich bleiben werde. Drei Monate, ein halbes Jahr oder für immer? Alles war und ist immer noch möglich. 

Na gut, dann komme ich mal zu dem Elefanten im (virtuellen) Raum zu sprechen. Bereue ich mein „sicheres“ Leben in Deutschland mit allem „was man sich so wünschen kann“ aufgegeben zu haben? Ein ganz klares und überzeugtes NEIN ist meine Antwort. Ich fühle kein einziges bisschen Reue. Nichtmal irgendwo ganz hinten in der dunklen Ecke versteckt. Ich stehe hundertprozentig zu mir, meinen Entscheidungen und meinem Weg. Jederzeit wieder würde ich es genauso machen. Jederzeit wieder würde ich meinen Job und meine Traumwohnung kündigen, um frei zu sein und die Welt zu entdecken. 

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Ein Kommentar zu „Gefühlschaos

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