Salzwasser in den Venen

Bereits einen Monat bin ich nun schon in Indonesien, ein weiterer Monat bleibt mir. Und doch habe ich bisher eigentlich nicht berichtet, was ich hier so treibe. Das möchte ich nun ändern. In den folgenden Tagen werde ich mein bestes tun, um euch auf den aktuellen  Stand der Dinge zu bringen. 

Ich habe mich selbst nie auf einem Surfboard gesehen. Surfen ist eine Spur zu cool für mich, dachte ich immer. Aber doch wollte ich gerne etwas neues lernen, mich raus aus meiner Komfortzone bewegen und mir selbst eine Challenge auferlegen. Somit habe ich mich dafür entschieden eine Woche in der SurfWG in Canggu zu verbringen. 

Die erste Surfstunde fing damit an die richtige Technik für das Aufstehen, das sogenannte „Pop up“ am Strand zu üben. „Try again!“ sagte Budi, mein Surflehrer, die Bewegung sollte in mein Muskelgedächtnis übergehen. Ich hatte erwartet, dass wir die erste Stunde komplett so am Strand verbringen werden. Aber surfen, kann man eben nur im Wasser lernen. Somit ging es nach ein paar Trockenübungen sofort ins Wasser. Immer und immer wieder versuchte ich aufzustehen, immer und immer wieder fiel ich hin. Na gut, das ist wohl so am Anfang, versuchte ich mich zu beruhigen und gleichzeitig zu motivieren. Doch dann sah Mirko und Papa, die mit mir zusammen im Anfängerkurs waren. Schon nach kurzer Zeit standen die beiden sicher und lange auf dem Board. Sie schienen die Wellen mit Leichtigkeit bis zum Strand zu surfen. Ouch! Das war ein harter Schlag für mein Ego. Dennoch versuchte ich mich nicht verunsichern zu lassen, während ich zu Budi zurückging, der sein bestes tat, um mich zu motivieren und die kleinen Erfolge zu feiern.

Bereis nach der ersten Stunde surfen, hatte ich aufgescheuerte Füße. Ich ließ mich auch davon nicht entmutigten und versuchte meine Wunden als Trophäen in die zweite Surfstunde zu tragen. „Nachmittags ist der Ozean nicht so freundlich, wie morgens“ warnten mich die anderen schon vor. Sie hatten recht. Die Strömung war gnadenlos, die Wellen waren brutal, der Ozean war wild und unberechenbar. Trotz dieser Umstände lief meine zweite Surfstunde doch besser und gab mir neue Hoffnung. 

Während Mirko und Papa am zweiten Tag schon lernten ihre eigenen Wellen zu catchen, übte Budi weiterhin geduldig das Aufstehen mit mir. Ich verlor die Hoffnung, Spaß machte es keinen mehr, meine Füße waren mittlerweile blutig. Jeder neue Versuch auf dem Surfboard aufzustehen, ließ die Wunden tiefer werden. 

Am dritten Tag, dem letzten Tag des Anfängerkurses, zwang ich mich eher widerwillig zur Surfstunde. Klar, mittlerweile schaffte ich es mit Glück ab und an mal etwas länger zu stehen. Doch hatte ich mir größere Erfolge erhofft. Spaß macht das hier nun wirklich nicht. 

Mit diesem Mindset und dem Wissen, dass es nach dem Anfängerkurs vorgesehen ist vom Softtopboard, welches leichter zu surfen ist und stabiler im Wasser, auf ein Hardboard umzusteigen, was im Gegensatz dazu eben wackliger ist und nicht so viel Eigenauftrieb hat, gönnte ich mir am vierten Tag eine Pause. 

Die Pause nutze mein Körper, um mir eine Erkältung zu schenken. Doch trotzdem quälte ich mich mit den anderen zum Strand für meine erste Surfstunde auf dem Hardboard. Die Erkältung, das neue Board und zudem noch ein neuer Surflehrer, ließen mich verzweifeln. Ich hatte keine Kraft mehr und ging nach vielleicht 30 Minuten im Wasser weinend zum Strand zurück. 

In den folgenden Tagen gönnte ich mir und meinem Körper Ruhe, um dann am letzten Tag doch nochmal einen Versuch zu starten. Ich suchte mir die Stunde mit einem der besten Surflehrer des Camps aus, packte mein Board und ging mit neuer Kraft und voller Motivation ins Wasser. Woran es liegt, kann ich nicht sagen. Vielleicht ist es eine Kombination aus allen Gegebenheiten. Die letzte Surfstunde hat so viel Spaß gemacht. Ich wollte gar nicht mehr aufhören. Endlich schaffte ich es sicher aufzustehen, endlich surfte ich bis zum Strand, und dann, dann kam der Moment in dem ich meine erste grüne Welle surfte (bisher habe ich nur im Whitewash gesurft). Und diesen Moment, dieses Gefühl werde ich nie mehr vergessen können. Es war als würde ich fliegen. Es war ein Hochgefühl, wie ich es bisher noch nie in meinem Leben erlebt habe. Surfen ist eine Droge. Ich will mehr. Ich will mehr von diesem Gefühl. 

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