Yogyakarta

Nach dem Surfen auf Bali ging es dann für mich mit dem Bus weiter nach Yogyakarta auf Java, der Nachbarinsel Balis. Die Stadt ist die Hauptstadt der gleichnamigen Region, die südlich in Central Java liegt.

Yogyakarta, sagt man, ist die kulturelle und künstlerische Hauptstadt Javas. Hier hat das traditionelle indonesische Batiken seine Wurzeln. Auch ist die Region Heimat zwei berühmter Tempel – dem buddhistischen Tempel Borobudur und dem hinduistischem Tempel Prambanan. 

Die Busfahrt war schon ein kleines Abenteuer an sich und dort durfte ich die Erfahrung machen, die einzige Weiße weit und breit zu sein – egal ob in Bus, an Raststops oder auf der Fähre. Es war eine interessante und lehrreiche Erfahrung. 

Jogja, wie Yogyakarta auch genannt wird, ist eine besondere Stadt. Irgendwie mag ich sie. Sie ist eine Stadt großer Kontraste. Alte Traditionen und Kultur stehen dem modernen, veganem und nachhaltigem Lebensstil gegenüber, der mit den vielen Studenten in der Stadt kommt. 

Etwa zwei Stunden von Jogja entfernt ist der Borobudur Tempel, dem größtem buddhistischem Tempel der Welt. Die Tempelanlage ist UNESCO Weltkulturerbe. Es soll eine ganz besondere Erfahrung sein den Sonnenaufgang von hier zu sehen. Sowas lasse ich mir nicht zwei Mal sagen. Sobald das Wort Sonnenaufgang fällt, bin ich dabei. Um kurz nach 3 stand ich auf, Arri fuhr mich auf seinem Roller durch die schlafende Stadt bis zum Tempel. Im Dunkeln mit einer Taschenlampe bewaffnet stapfte ich die vielen Stufen bis zur Spitze empor. 

Borobudur wurde schätzungsweise um das Jahr 800 erbaut. Mit dem Verfall des damaligen Königreichs, geriet der Tempel über fast ein ganzes Jahrhundert in Vergessenheit. Er war komplett mit Erde und Vegetation bedeckt, als er Anfang des 18ten Jahrhunderts neu entdeckt wurde. Unwissend, dass sich ein Tempel darunter befand, wurde er daher einfach Borobudur-Hügel genannt. Es musste noch weitere hundert Jahre vergehen, bis 1814 der Tempel unter der Erde entdeckt und freigelegt wurde. 

Diese Geschichte und generell der Fakt, dass es sich um einen heiligen Tempel handelt, hielten einige Besucher für nicht ehrenwert und waren sehr laut am singen, am tanzen und lachen während sie sich Witze erzählten. Allein das reichte schon, um die Magie des Sonnenaufgangs zu zerstören. Doch als ich dann auf der Spitze ankam, und dort hundert andere Menschen auf den Sonnenaufgang warteten, einige waren damit beschäftigt ihr Stativ aufzubauen und die Kamera perfekt auszurichten, war kein bisschen Heiligkeit und Magie mehr vorhanden. Der Sonnenaufgang am Borobudur ist ein Massentourismusevent geworden. Daher empfehle ich jedem, der den Tempel besuchen möchte dieses kurz nach Sonnenaufgang zu machen, wenn es 1. günstiger ist als direkt bei Sonnenaufgang und 2. die Sonnenaufgangsbesucher bereits beim Frühstück sind, die Tagesbesucher aber noch schlafen. 

Ich ließ mir viel Zeit und genoss die Ruhe nach dem Sonnenaufgang. Sie gab mir die Gelegenheit in die einzigartige Energie dieses Ortes einzutauchen. 

Beseelt und glücklich machte ich mich auf den Weg zurück zu Arri, schließlich wollte er mir heute noch die Chicken Church und den Prambanan Tempel zeigen. Am Fuße des Tempels angekommen, wurde ich von einer Gruppe Mädchen in Schuluniformen in Empfang genommen. Aufgeschlossen und neugierig fragten sie viele, viele Fragen. Ich. genoss dieses Gespräch total. Auch wenn es anstrengend war teilweise 5 Mädchen gleichzeitig zuzuhören. Der Inhalt des Gespräches ist zu wertvoll, dass ich einen separaten Blogeintrag dazu verfassen werde.

Nach einem umfangreichen Frühstück, welches in dem überteuertem Eintrittspreis von 450.000 IDR (ca. 30 €) enthalten ist, fuhr Arri mich zu der nur 30 Minuten entfernten Chicken Church. 

Chicken Church
Chicken Church

Die Chicken Church ist genau das, was der Name verspricht. Eine Kirche in Form eines Huhns. Ja, witzig zu sehen, aber mehr hatte ich von der Chicken Church nicht erwartet. Doch ich wurde positiv überrascht. Die Kirche ist zu Hause einer jeden Religion. Hier beten Christen, Buddhisten und Muslime zusammen unter einem Dach. Jede Religion ist willkommen. Diese Offenheit, gerade im Zusammenhang mit Religion, ist einzigartig und zauberhaft. An diesem Ort ist Raum für Wunder. 

Momentan wird die Kirche restauriert, daher war es leider nicht möglich bis nach ganz oben in den Kopf des Huhns zu gehen. Aber bereits von unteren Ebenen hat man einen phantastischen Ausblick über den Dschungel und die Berge, die die Kirche umgeben. 

Nach weiteren zwei Stunden auf dem Roller erreichten wir den Prambanan Tempel, der östlich von Jogja liegt. Ich muss ganz ehrlich sagen, mein Hintern schmerzte ganz schön nach so langer Zeit auf dem Roller. 

Auch der Prambanan Tempel ist ein UNESCO Weltkulturerbe und der größte hinduistische Tempel in Indonesien. Er wurde um das Jahr 850 erbaut und teilt sein Schicksal mit dem Borobodur. Auch er wurde verlassen und vergessen und verfiel über die Jahrhunderte. Der Wiederaufbau begann 1918 und ist bis heute nicht fertiggestellt. Ein starkes Erdbeben im Mai 2006 zerstörte Wiedermals viele der Gebäude der Tempelanlage.

Prambanan hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die Architektur, die Atmosphäre, die Energie, es ist ein unbeschreiblich kraftvoller und magischer Ort. Ich war in der prallen Mittagshitze da, was den Vorteil hatte, dass weniger Besucher dort sind. Soweit ich weiß, ist der Sonnenuntergang im Prambanan ein ähnliches Spektakel wie der Sonnenaufgang im Borobodur. 

Nur wenige Meter von Prambanan liegen drei kleinere buddhistische Tempel. Die meisten Besucher machen sich nicht die Mühe dort hinzugehen. Daher hatte ich das Privileg diese Tempel für mich ganz allein zu haben. Auch diese Tempel wurden von dem Erdbeben nicht verschont und die Zerstörung ist hier noch besser zu sehen, da der Fokus des Wiederaufbaus natürlich beim der Hauptattraktion, dem Prambanan, liegt. Es war fast als würde ich durch eine andere Welt wandeln (tatsächlich musste ich sehr häufig an die Welt von Final Fantasy X denken 😄). Vor allem der Candi Sewu (Candi ist ein hinduistischer oder buddhistischer Tempel in Indonesien), welcher am weitesten entfernt ist vom Prambanan, ist beeindruckend. 

Obwohl Yogyakarta noch so viel mehr zu bieten hat, zog es mich nach wenigen Tagen weiter. Somit bleibt mir noch vieles zu entdecken, wenn ich eines Tages wieder zurück komme nach Jogja. 

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3 Kommentare zu „Yogyakarta

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