Bali calling

Verzweifelt sitzen wir da, Kevin und ich. So gerne möchte ich den Mount Bromo sehen. Doch nach einer gefühlten Ewigkeit des Suchens nach möglichen Bus- und Zugverbindungen, bin ich ausgelaugt und gestresst. „Kein Bock mehr auf den Scheiß!“ denke ich mir. 

Die freundliche Besitzerin des Homestays versucht uns zu helfen. Allerdings erzeugt das bei mir nur noch mehr Stress und Verwirrung. Wir können einen Bus dorthin oder den Zug zu diesem Ort nehmen und dann hier hin weiter oder da gibt es noch jene Möglichkeit. Das sind zu viele Informationen und zu viele Möglichkeiten für mich. 

Ich war so froh, als Kevin zustimmte mit mir zum Mount Bromo zu kommen. Auf keinen Fall wollte ich nach der Vipassana Meditation alleine sein. Nun fühle ich mich schlecht, dass ich ihn mit reingezogen habe in dieses Chaos. Sollten wir keinen Transport zum Bromo finden, so können wir ja immer noch nach Bali fliegen, sage ich halb ernst und halb aus Spaß. 

Doch dieser Gedanke erzeugt einen Funken. Das ist sie, die Freiheit und Spontanität, die ich so sehr liebe.

 Ich kann überall sein, ich muss aber nirgends sein. 

Scheinbar soll es also einfach nicht sein, dass wir zum Mount Bromo gehen. Das Universum hat einen anderen Weg für uns vorgesehen. Somit ist es schlussendlich Kevin der sagt „Ja komm, lass uns nach Bali fliegen!“ 

Okay, let’s go! Bali wir kommen! 

Es dauert eine halbe Stunde, bis wir endlich einen Taxifahrer finden, der bereit ist uns am dem Arsch der Welt, wo wir uns befinden, abzuholen. Der Fahrer bietet an uns gleich zum Flughafen zu fahren, statt nur zum Airport Shuttle. So einfach kann es gehen, wenn man sich plötzlich auf dem richtigen Weg befindet – kein Stress, ein elendiges Suchen und Planen. Alles passiert einfach in einem vollkommenen Flow. 

Ich bin aufgeregt und euphorisch. Schon immer wollte ich ohne ein Ticket zu haben in den Flughafen gehen, mit energischen Schritt auf den Schalter zugehen und voller Selbstvertrauen sagen „Den nächsten Flug nach Bali, bitte!“

Und so haben wir es gemacht… oder zumindest so ungefähr. Bevor man den Flughafen in Jakarta überhaupt betreten darf, findet bereits die erste Sicherheitskontrolle statt. Hier wird man auch nach seinem Flugticket gefragt. Mein Herz klopft vor Aufregung, als ich der Dame sage, dass ich noch kein Ticket hätte und mir hier im Flughafen erst ein kaufen müsse. Etwas verwirrt fragt sie, wohin ich den fliegen wolle. „Bali“ kommt meine Antwort sofort und ich bete, dass sie mich passieren lässt und mich nicht für eine gemeingefährliche Terroristin hält. Sie lächelt und nickt und öffnet mir den Weg in den Flughafen. 

Kennt ihr das, wenn ihr in der Schlange vor der Gepäckabgabe wartet und es geht einfach nicht voran? Da ist diese eine Person, die den Schalter bereits für 15 Minuten in Beschlag nimmt. Was machen die da bloß, frage ich mich dann immer. So schwer ist das doch nicht – Reisepass vorzeigen, Gepäck aufs Gepäckband legen und tschüss. Das dauert keine 3 Minuten. 

Jetzt sind Kevin und ich plötzlich diese Personen. Schüchtern schaue ich mich mit einem entschuldigenden Lächeln zu den Wartenden hinter mir um. „Ah okay, so you don’t have a ticket?!“ Endlich hat die Dame am Schalter es verstanden. „Yes, we’d like to buy it now.“ Allein das verständlich zu machen, hat bereits seine Zeit gedauert. Der Vorgang des Tickets kaufen, und die Gepäckabgabe sowieso, geht dann verhältnismäßig schnell von statten. Als wir endlich unsere Tickets in den Händen halten und den Schalter Richtung Gate verlassen, können wir das erleichterte Aufatmen der anderen Reisenden förmlich spüren.

Damit mache ich in Gedanken einen dicken Haken hinter den Punkt auf meiner imaginären Buket List. Meine Lippen formen sich zu einem Lächeln, meine Augen strahlen und mein Herz hüpft.

In den drei Stunden, die wir auf unseren Flug warten, treffen wir CJ wieder. Auch er hat die Vipassana Meditation gemacht. CJ lebt auf Bali. Er erzählt uns, dass die Insel mehr als nur ein tropisches Paradies ist. Die Geister der Insel haben eine besondere Macht. Bali kann dich rufen, Bali kann dich einladen und willkommen heißen, Bali kann dir alles schenken, doch Bali kann dich auch zermalmen und wieder ausspucken. Also sei besser stets freundlich zu der Insel. 

Mit dem Wissen, dass Bali mich gerufen hat steige ich in das Flugzeug. Auch wenn ich zu Beginn des Tages davon ausgegangen bin, dass ich Mount Bromo sehen werde, so weiß ich, dass ich hier und jetzt – im Flugzeug nach Bali, genau dort bin, wo ich sein soll. 

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