Bali Kiss aka Rollerunfall

Der Roller ist das Fortbewegungsmittel der Wahl in Asien. Um unabhängig zu sein, kommt man nicht drum herum sich einen Roller zu mieten und selbst zu fahren. 

In Deutschland bin ich nie Roller gefahren und als ich es in Thailand vor 2 Jahren das erste Mal ausprobiert habe, wurde mir bewusst wie fahrlässig es ist die Erlaubnis einen Roller zu fahren als Bonus beim Autoführerschein oben drauf zu packen. In Thailand ging aber damals alles gut. Außer einem kleinem Vorfall, wo ich quasi einfach samt Roller umgekippt bin. Never mind…

Die guten Erfahrungen aus Thailand bestärken mich auch auf Bali auf den Roller zu steigen. Schließlich machen es doch alle. Ganz gleich, ob vorherige Rollererfahrung vorhanden ist, fährt ein jeder über die Insel.

Irgendwie komme ich immer an, aber sicher fühle ich mich nie so wirklich, wenn ich Roller fahre. Deswegen beschließe ich einfach mal ohne Ziel loszufahren um zu üben. Rollerfahren lernt man nur durch Rollerfahren, so heißt es doch, oder etwa nicht?

Erst noch ängstlich und wackelig, wie immer zu Beginn, fahre ich los. Raus aus der Stadt, raus aus dem Trubel. Nach und nach fängt es an Spaß zu machen. Ich genieße es den Wind auf meiner Haut zu spüren. Ich fühle mich frei und fahre immer weiter. Die Häuser der Stadt lichten sich und ich bin umgeben von Reisfeldern und Dschungel. Mein Grinsen im Gesicht und mein Vertrauen in mich und das Rollerfahren werden mit jedem Meter größer. 

Bis zu dem einen verhängnisvollen Moment in dieser einen Kurve… 

Ich weiß nicht, ob ich zu schnell war oder die Kurve einfach nur falsch gefahren bin. Auf jeden Fall gerate ich in Panik, mein Gehirn hört schlagartig auf zu funktionieren und ich verliere die Kontrolle über den Roller. 

Häufig berichten Menschen, die in einen Verkehrsunfall verwickelt waren, dass sie im Moment des Unfalls absolute Stille und Frieden verspüren. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was genau ich in diesem Moment gespürt, empfunden oder gedacht habe. Doch ja, in dem Moment als mir klar wurde, dass ich unweigerlich crashen werden, erlosch die Panik und ich ließ es einfach geschehen. 

Ich schaffe es nicht mehr meinen Roller durch die Kurve zu lenken und stürze in den etwa zwei Meter tiefen, betonierten und mit Steinen ausgelegten Graben. In den Millisekunden des Sturzes, bete ich noch dafür, dass dort unten ausreichend Wasser sein wird, um meinen Sturz aufzufangen. Leider wird mein Gebet nicht erhört. Die 5 cm Wassertiefe reichen nicht, um mich aufzufangen. Und ich falle auf die Steine, der Rolle fällt auf mich. Ich habe das Gefühl, dass mir einige Sekunden fehlen. Vermutlich war ich für einen kurzen Augenblick bewusstlos. Denn das nächste woran ich mich erinnern kann ist, dass eine Gruppe balinesischer Männer mir versucht aufzuhelfen. Witzigerweise bin ich zuerst um meinen einen Birkenstock FlipFlop besorgt, der in dem spärlichen Rinnsal davon treibt. Als dieser in Sicherheit ist, versuche ich aufzustehen. 

Fuck!

Mein Bein gibt bei der Belastung durch mein Körpergewicht sofort nach. Zum Glück halten mich die Männer fest, sodass ich nicht ein weiteres Mal stürze. Erneut versuche ich mich aufzurichten und der Schmerz schießt durch meinen ganzen Körper. Obwohl der Schmerz in meiner Hüfte unerträglich stark ist, habe ich ein unerschütterliches Urvertrauen, dass alles gut sein wird. Einige Männer, die oben am Rand des Grabens stehen, ziehen mich hinauf. 

Sofort kommen weitere Leute herbeigeeilt. Sie säubern und desinfizieren meine Wunden. Mir wird ein Glas Wasser gereicht. Trotz Sprachbarriere versuchen sie mir gut zuzusprechen, für mich da zu sein und mir zu helfen, wo sie nur können.  

Mein Urvertrauen, dass alles gut ist schwindet mit den zunehmenden Schmerzen. Ich bin überfordert mit der Situation und weiß nicht, was ich machen soll. Soll ich ins Krankenhaus? Soll ich zum Arzt? Soll ich einfach nach Hause ins Bett? Ich rufe einen Freund an. Er kommt so schnell wie möglich zu mir.

Instinktiv weiß ich, dass meine Hüfte nicht gebrochen ist. Es schmerzt meine rechte Seite, obwohl ich auf die linke Seite gefallen bin. Somit ist meine einzig logische Erklärung, dass ich im Fall mein Bein durch den Roller im Fall blöd verdreht wurde. Bereits jetzt, nur wenige Minuten nach dem Unfall, wird mir bewusst, was für ein unglaubliches Glück ich hatte. Ich kann meinen Schutzengeln gar nicht genug Dank entgegen bringen. Hoffentlich werden sie nicht müde, mich ständig zu beschützen.

Die indonesischen Männer kümmern sich in der Zwischenzeit um den Roller. Wie sie ihn aus dem Flussbett rausbekommen haben, weiß ich nicht. Sie versuchen ihn zu starten, was zunächst nicht funktioniert. Auf indonesisch (oder balinesisch) diskutieren sie, wie man den Roller wieder ans Laufen bringen kann (so wirkt es zumindest auf mich). Nach kurzer Zeit schaffen sie es den Roller zu starten und prüfend, ob wirklich alles funktioniert, fahren sie hin und her. 

Nach gefühlt wenigen Minuten ist Kevin bereits da. Er ist so ruhig und unaufgeregt und in der Lage klare, konstruktive Gedanken zu fassen. Ob ich noch einen kleinen Moment warten könne, fragt er mich. Aber klar, ich hab gar eh nichts anderes vor. Damit fährt Kevin zusammen mit Benni, dem indonesischen Mann, der sich bereits zuvor so liebevoll um mich und den Roller gekümmert hat, davon. Weg ist er, wohin weiß ich in dem Moment nicht, aber ich weiß, dass alles gut werden wird. In meinem tiefen Glauben, dass nichts ohne Grund passiert, weiß ich, dass es auch mit diesem Unfall so ist. Auch wenn ich den Grund jetzt noch nicht sehen kann, ist alles was passiert ist und noch passieren wird, so wie es sein soll. Es folgt den Regeln des Universums.

Nach kurzer Zeit kommt Benni alleine wieder zurück, wenig später gefolgt von einem Krankenwagen. Ich frage mich, ob das hier so läuft. Muss man persönlich zum Krankenhaus fahren, um einen Krankenwagen zu ordern? Gibt es hier einen Notruf? Mit vereinter Hilfe heben mich die Männer auf die Liege. Die Krankenwagentür geht zu, das Blaulicht und die Sirenen an und wir fahren los. In dem Moment, wo die Sirenen ertönen, kann ich nicht anders als zu lachen. Humor ist noch immer die beste Medizin. „Wie verrückt ist das denn bitte?“ frage ich mich, gefolgt von einem „Au! Fuck! Verdammte scheiße!“. Das Lachen vergeht mir schneller, als es gekommen ist. Der Krankenwagenfahrer möchte seinen Job gut machen und mich möglichst schnell ins Krankenhaus bringen, doch jedes Schlagloch (und von denen gibt es viele auf balinesischen Straßen), jede Kurve, jeder kleinste Stein auf der Straße erzeugt unfassbare Schmerzen in meiner Hüfte. Auf Anschnallgurte wird in Indonesien kein großer Wert gelegt, auch nicht im Krankenwagen. Ungesichert werde ich auf der Liege hin und her geschleudert. Die einzige Stabilisierung sind meine Hände, die sich mit aller Kraft in die Seiten der Liege krallen. 

Das Krankenhaus ist genau, wie man sich ein indonesisches Krankenhaus außerhalb der Großstadt vorstellt – ein einfacher Raum, nur Vorhänge geben etwas Privatsphäre, statt Betten gibt es nur Liegen, am Ende des Raumes steht die Tür offen und offenbart den Blick auf die benachbarte Baustelle. Ich bin sehr froh, dass ich keine großen offenen Wunden habe, denn der Baustaub unterstützt eine gesunde Wundheilung bestimmt nicht. 

Die Ärztin kommt (zumindest hoffe ich, dass es eine Ärztin ist), sie schaut sich mein Bein an, sie drückt darauf herum, sie bewegt die Gelenke. „No fracture, just muscle“ sagt sie ohne ein Röntgenbild gesehen zu haben. Sie gibt mir ein Schmerzmittel und Vitamintabletten, desinfiziert erneut meine Wunden und bietet mir an ein Taxi für mich zu rufen, das mich nach Hause bringt. Das wars. Mir bleibt ja nicht anderes übrig, als ihr zu Vertrauen und somit humple ich zum Taxi. 

Was ich mich seither frage: Was hat es mit dem Vitamin B-Komplex auf sich? Unterstützt das in irgendeiner Weise die Genesung? Vielleicht kannst du mir das ja erklären. 

Ein Kommentar zu „Bali Kiss aka Rollerunfall

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