Pleite

Zum zweiten Mal in 14 Monaten Reise mache ich nun die Erfahrung pleite zu sein. Vor Beginn meiner Reise war das eine meiner größten Ängste. Ohne Geld alleine am anderen Ende der Welt zu sein. Ich hatte Angst, dass damit dann meine Reise zu Ende sein würde. Ich hatte Angst, dass das bedeuten würde, dass ich gescheitert wäre. Ich hatte Angst vor Verurteilung. Ich hatte Angst, dass ich zurück nach Deutschland in mein 9-5 Leben muss. 

Das erste Mal war mein Konto auf dem Nullpunkt am Ende des Roadtrips durch Australien. Ich konnte weder genug Geld aufbringen, um Sprit für die 3.000 km zwischen Darwin und meinem neuen Job zu zahlen, geschweige denn Verpflegung für diese lange Strecke und eventuelle Reparaturen an meiner Lulu. Auch wenn diese Situation sehr ungewohnt war, wusste ich einfach, dass alles gut werden würde. Ich verkaufte mein Auto, um mir ein Flugticket kaufen zu können und dann asap anfangen zu arbeiten. 

Nun ein halbes Jahr später, herrscht auf meinem Konto wieder Ebbe. Es ist verrückt, aber Pleite sein macht mir keine Angst mehr. Stattdessen fühle ich mich dann frei, unbeschwert und schwimme im Meer der unendlichen Möglichkeiten. 

Sobald ich anfange Geld anzusparen, stehe ich unter der ständigen Angst nicht genug zu haben. Ich stehe total unter Stress. Doch in den Momenten, wo mein Geld knapp ist und ich nicht weiß, wie es weiter gehen soll, werde ich ruhig und entspanne mich. Anstatt geizig jeden Cent bei mir zu behalten, lade ich Freunde zum Essen ein. Mit Freude und Gleichmut zahle ich das Taxi für alle und gebe der Kellnerin großzügiges Trinkgeld. 

Pleite sein an sich ist noch nicht Spaß genug, dachte sich dann das Universum. Somit begab es sich dann, dass mit meiner Ankunft in Neuseeland auch noch mein australisches Konto gesperrt wurde. Also hatte ich nichtmal Zugriff auf die letzten verbliebenen Dollar auf meinem Konto. 

Aufregen? Wütend werden? Verzweifeln? Schimpfen, schreien, meckern? Decke über den Kopf ziehen und heulen? All das wären wohl legitime Reaktionen gewesen. Doch stattdessen war ich ruhig, entspannt und schon fast gleichmütig. Mein Urvertrauen in das Gute ist unerschütterlich. Somit wusste ich auch jetzt, dass schon alles gut werden würde. Geld ist sowieso nicht wichtig, hatte ich mittlerweile für mich gelernt. 

Und was soll ich sagen? Bereits wenige Tage später hatte ich 5 (fünf!) Jobangebote, in den Tagen darauf trudelten sogar noch mehr Angebote ein, die ich dann aber ohne Bewerbungsgespräch gleich ablehnte. Mir wurde später erzählt, wie schwer es sei in Auckland einen Job zu finden. Vielleicht hatte ich Glück. Vielleicht ist es auch einfach nur der richtige Zeitpunkt (vor Weihnachten und Sommer, wo dann die Hochsaison beginnt und sowieso mehr Personal benötigt wird). Vielleicht liegt es an meiner Einstellung? Vielleicht ist es ein Zusammenspiel aus allem und noch mehr, vielleicht auch Keines. 

Doch hilft es definitiv in schwierigen Situationen voller Zuversicht mit einem Lächeln die Zukunft willkommen zu heißen. Du wirst bekommen, was du brauchst. Was nicht umbedingt immer das ist, was du willst. ☝🏼 

Wollte ich einen Kellnerjob? Definitiv nein, nie wieder in meinem Leben wollte ich kellnern. Doch jetzt liebe ich diesen Job. Mit ihm habe ich nicht nur Arbeit, ich habe Freunde, eine Familie gefunden. Ich freue mich jeden Tag auf die Arbeit und verlasse sie auch mit einem freudestrahlenden Lächeln. Statt mich zu erschöpfen, gibt sie mir Energie. Außerdem bekomme ich wieder Geld. Doch dieses Mal versuche ich es anders zu machen. Ich versuche nicht krampfhaft daran festzuhalten und bis in die Unendlichkeit zu sparen. Ich erlaube dem Geld zu fließen. 

Statt lippischem Geiz übe ich mich in weltoffener Großzügigkeit

Es fällt mir noch schwer darauf zu vertrauen, dass ich am Ende des Jahres ausreichend Geld gespart habe, um über den Sommer durch Neuseeland zu reisen. Doch ich werde es lernen. Irgendwie geht es schließlich immer weiter. 

Und wo wir gerade bei dem Thema sind: Momentan arbeite ich verdammt viel. Heute ist mein erster freier Tag, nachdem ich 9 Tage durchgearbeitet habe und das meist in 10 Stunden Schichten. Leider lässt dieses Pensum an Arbeit keinen Raum für Kreativität geschweige denn Zeit zum Schreiben. Für Schreiben brenne ich. Schreiben ist meine Leidenschaft, meine Passion. So gerne würde ich mehr Schreiben, mehr darüber lernen, besser werden. Dafür benötige ich freie Zeit, muss aber gleichzeitig meine Fixkosten, wie Krankenversicherung und Handy gedeckt haben. Daher bin ich schon lange am Überlegen einen PayPal Button auf meinem Blog zu integrieren. Ich bitte nicht um Spenden, sondern eher um Trinkgeld. So wie du dem Kellner im Restaurant für guten Service ein kleines Trinkgeld gibst, kannst du mir damit mir ein kleines Trinkgeld geben, wenn dir gefällt, was du ließt. Vielleicht ist das ganze in Zukunft auch so ausbaubar, dass es gegen einen Obolus Bonus Content gibt. Sachen, die man also nur lesen und sehen kann, wenn man dafür zahlt. Damit würdest du mir die Möglichkeit geben, mehr Zeit in das Schreiben zu investieren. Diese Idee schwirrt mir schon lange im Kopf herum, doch traue ich mich nicht diese auch wirklich umzusetzen. Daher bitte ich dich um ein kurzes Feedback und deine Ideen. Wärest du bereit zu zahlen, um mehr Infos/tiefere Einblicke/Tipps und Tricks/Fotos/whatever zu erhalten?

2 Kommentare zu „Pleite

  1. „Du wirst bekommen, was du brauchst. Was nicht umbedingt immer das ist, was du willst.“ 😉 Kluger Satz! Zu deiner Frage eine offene Antwort: ich würde „Trinkgeld“ für das Besuchen deines schönen Blogs zahlen, einen Extra-Content persönlich vermutlich nicht, obwohl ich deine Gedanken diesbezüglich gut nachvollziehen kann. Ich schreibe bisher auch ehrenamtlich und überlegen gerade, ab und an auch mal einen Artikel mit Werbeanteil zu veröffentlichen, einfach, weil so viel Zeit und Energie in das Schreiben geht. Aber grundsätzlich sehe ich das Bloggen immer noch in erster Linie als tolle Möglichkeit des (nichtkommerziellen) Austauschs und der Vernetzung. Bin gespannt, wie du dich entscheidest!🙂
    Lg vom anderen Ende der Welt, Sarah

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