Ahoi Sailor

Wo soll ich nur anfangen? Wo und wann habe ich eigentlich aufgehört? Warum ich aufgehört habe, das weiß ich. 

Ich war überwältigt. Überwältigt allein von meinem neuen Kapitel auf meiner Reise. Dazu kam dann die Überforderung mit einer globalen Pandemie umzugehen. Und das während ich auf Reisen und nicht in der (vermeintlichen) Sicherheit meiner Heimat bin. Wer hätte denn ahnen können, dass die Welt auf einmal nicht mehr so funktioniert, wie wir sie kennen? Ich habe es nicht sehen können und ehrlicherweise lange zu den Leugnern gehört. Es war so einfach es hier in Neuseeland zu leugnen. Während in Europa schon das Chaos herrschte, lebten wir den ganz normalen Alltag mit 0 Covid-Fällen. 

Als dann im März die ersten Fälle verzeichnet wurden, dämmerte es auch mir. Mit mehr Glück als Verstand kam ich an den wohl besten Ort, an dem ich nur sein könnte; während einer Zombieapokalypse (und auch generell) – ein Schiff. 

Mit Schiff meine ich hier nicht so ein kleines Boot. Nein, ich bin auf einem richtigen Piratenschiff gelandet. Alvei ist ihr Name. Sie ist stolze 100 Jahre alt, 30 Meter lang. Sie ist ein 3-masted Topsail Schooner (Haha! Ja genau, ich selber habe auch kaum einen Schimmer, was das genau bedeutet. Aber vielleicht sind ja alte Seeräuber unter euch, die jetzt mit weiten Augen „Aaaah!“s und „Ooooh!“s hauchen.) 

Nur eine Woche nachdem ich auf Alvei angeheuert habe, begann dann in Neuseeland der Lockdown. Wir durften das Schiff nicht mehr verlassen. Da hätte ich es definitiv schlechter treffen können. Immerhin konnte ich jeden Tag schwimmen gehen. Einmal die Woche bekam wir Besuch von Delfinen. Wir hatten die Gesellschaft unserer Shipmates und einen Haufen voller Arbeit zu bewerkstelligen. Doch um ein bisschen Realität in die Utopie zu bringen – wir hatten die Herausforderung auf engstem Raum mit verschiedenen Kulturen auskommen, wir haben weder eine Dusche noch einen Kühlschrank und schon gar keine Heizung. 

Die zwei Monate im Lockdown vergingen dann Rückblickend aber doch wie im Flug. Der Lockdown war vorbei, wir konnten endlich wieder an Land und noch besser – es war uns erlaubt zu segeln. Leider konnten wir jedoch unseren ursprünglichen Plan den Pazifischen Ozean von Neuseeland bis nach Nordamerika zu überqueren nicht verfolgen, da so ziemlich alle Länder ihre Grenzen geschlossen haben. So blieb es uns also nur in Neuseeland umher zu segeln. Und oh man, das machten wir. Von Russell, wo wir den Lockdown verbracht haben, segelten wir durch die Bay of Islands bevor wir uns auf den Weg in den kalten Süden machten. Nach einem Monat kamen wir dann in Auckland an. Hier bin ich jetzt. Seit einer Woche sind wir in einem Primesport quasi direkt unter der Harbourbridge vor Anker mit einem Ausblick auf die Auckland Skyline, für die Menschen normalerweise einen Haufen Geld bezahlen. 

Genießen kann ich es jedoch nicht. Ich will wieder raus. Ich will wieder segeln. Ich will das Schiff, das Meer und mich in Symbiose verschmelzen lassen. 

Seit fast vier Monaten lebe und arbeite ich als Deckhand auf Alvei. Und ich hoffe, dass noch viele weitere Monate folgen werden. 

Ahoi! 

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